Handwerksbetriebe spielten in den großen Städten des Mittelalters eine dominante Rolle. Bis zum Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert arbeiteten ungefähr 50 Prozent der Bürger in handwerklichen Betrieben. Welche Handelszweige, Werkstätten in den Städten vorhanden waren, hing hauptsächlich von der Größe der Stadt ab. Bestimmte Handwerke und Handarbeit gab es in jeder Stadt, auch in den kleinen Orten, besonders Handwerker wie Bäcker und Fleischer waren verfügbar, ebenso wie Weber, Schuhmacher und Schneider.
In den mittleren und großen Städten jener Zeiten gab es weit mehr Handarbeit durch Handwerker als heute. Manche spezialisierten sich innerhalb ihres Gewerbes, aus dieser Handarbeit entwickelte sich eine Vielfalt von 60 bis ungefähre 100 verschiedene Handwerke.
Eigenschaften von Handwerk und Handarbeit
Das heutige Handwerk unterscheidet sich in vielen Punkten vom Handwerk früherer Jahrhunderte. Es war zum Beispiel typisch, dass die Werkstatt innerhalb des Wohnhauses war. Außerdem verkaufte der Meister seine Produkte direkt an den Kunden. Er arbeitete normalerweise allein oder zusammen mit Familienmitgliedern oder mit einem Gesellen. Der Handwerker musste mittels Handarbeit alle Arbeitsschritte bis zum Endprodukt kennen und ausführen. Das Wissen in die Rohstoffe, die Ausgangsmaterialien und die erworbene Handfertigkeit bei vielen verschiedenen Arbeitsschritten, ließ wahre Spezialisten sich entwickeln.
Der Fortschritt der Industrialisierung, besonders die Technik brachte den handwerklichen Gewerben, der Handarbeit, große Veränderungen. Vielen Handwerkern, Handarbeitern, Zulieferern wurde durch Massenproduktion in Fabriken die Märkte und somit ihre Einnahmequelle genommen. Die Menschen mussten ihr Heim in den Dörfern verlassen und in die Städte ziehen, wo die neuen Fabriken standen. Es begann die Landflucht und in den Städten entstanden die ersten Arbeiter- und Armenviertel. Durch die Industrialisierung und Massenproduktion in Großfabriken, wo die Arbeit von ungelernten Arbeitern verrichtet werden konnte, wurden viele Handwerke und noch mehr traditionelle Handarbeit zerstört. Der Glaube an die Zentralisierung brachte einzelnen immensen Gewinn, der großen Masse jedoch Armut und Elend.
Die eingesessenen Handwerksbetriebe, der Kleinhandel und die Nebenerwerbshandarbeiter der alten Ordnung konnten sich mit den neuen Produktionsformen und dem Großmanagement der Fabriken nicht messen und es kam zum Zerfall althergebrachter politischer, wirtschaftlicher und sozialer Systeme.
Auch heute muss ein moderner kleiner oder mittelständischer Handwerksbetrieb straff durchorganisiert sein und sehr effizient arbeiten, um unter den herrschenden turbulenten Marktbedingen wettbewerbsfähig zu bleiben und bestehen zu können. Leider kann man beobachten, dass immer mehr Handwerker aufgeben und so mache wertvolle Handarbeit ausstirbt.
